Übergewicht bei Hunden und ihren Menschen

Übergewicht bei Hunden und Menschen
Astrid Kurbjuweit
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7 Minuten
Übergewicht bei Hunden wird immer häufiger, genau wie Übergewicht bei Menschen. Oft sind beide zu dick, Hunde und Hundehalter. Auch andere Haustiere, wie Katzen, Pferde, Kaninchen, Meerschweinchen und sogar Kanarienvögel sind häufig übergewichtig.

Man kann vermuten, dass der Zusammenhang auch hier gilt, dass auch diese dicken Tiere oft dicke Halter haben. Das ist schon deshalb ziemlich wahrscheinlich, weil eben insgesamt sehr viele Menschen übergewichtig sind.

Warum Haustiere dick werden

Die Frage, warum Haustiere dick werden, hat inzwischen sogar die Forschung beschäftigt. Dabei wurden vor allem Hunde, aber auch Katzen untersucht, für andere Tiere kann man davon ausgehen, dass die Gründe ähnlich sind.

Im Prinzip sind die Ursachen für das Übergewicht einfach zu benennen, es sind dieselben Gründe, aus denen auch Menschen dick werden.

Vereinfacht läuft es immer darauf hinaus, dass man zunimmt, wenn die Energieaufnahme größer ist als der Energieverbrauch. Das gilt für alle Tiere, genau wie für den Menschen. Also entweder frisst der Hund zu viel, oder er bewegt sich zu wenig. Allerdings ist das Tier nicht selbst für seine Kalorienaufnahme verantwortlich. Es ist Sache des Halters, die richtige Menge Futter bereitzustellen und für genügend Bewegung zu sorgen.

Warum werden sich Hund und Halter immer ähnlicher, auch beim Gewicht?

Für Hunde konnte festgestellt werden, dass dicke Hunde oft auch dicke Besitzer haben. Man kann vermuten, dass es bei anderen Haustieren ähnlich ist.

Wenn man selbst zu viel auf die Waage bringt, dann verschieben sich die Maßstäbe, man erkennt Übergewicht nicht mehr so gut, sieht eine große Körpermasse viel mehr als normal an. Wenn einem selbst Bewegung schwerfällt, dann unterschätzt man leicht die Menge an Bewegung, die das Tier braucht. Wenn man selbst oft und viel isst, meint man, das Tier würde das auch brauchen.

Hinzu kommt, dass Tiere, wie Menschen, nach und nach zunehmen. Man gewöhnt sich dran, es fällt einem nicht mehr auf.

Die richtige Futtermenge ist schwierig einzuschätzen

Menschen, die selbst zu Übergewicht neigen, können oft nicht richtig einschätzen, wie viel Futter die richtige Menge ist. Es sieht so wenig aus, das möchte man dem Hund nicht antun. Viele vergessen dabei, dass ein Hund auch viel weniger wiegt als ein Mensch. Und dementsprechend auch viel weniger Futter braucht.

Andere Haustiere sind meistens noch viel kleiner, brauchen entsprechend auch noch kleinere Portionen.

Auch wer nicht selbst übergewichtig ist, kann zu dieser Fehleinschätzung neigen. Denn wer sich selbst vielleicht kasteit, sorgfältig darauf achtet, dass er nicht zu viel isst, möchte dem geliebten Hund nicht dasselbe antun. Dass der Hund davon dick wird, ist vielen nicht klar.

Wer selbst oft nascht und zwischendurch isst, findet es oft normal, dem Hund hier und da ein Häppchen zukommen zu lassen. Zur Belohnung für alle möglichen Leistungen, oder auch für den typischen „Hundeblick“ gibt dann gleich nochmal zusätzliche Leckerlies. Das wird im Allgemeinen nicht mit Absicht gemacht, es passiert so, man merkt es gar nicht so richtig.

Es ist schön, wenn der Hund den Status eines Familienmitglieds hat. Aber wenn er am Tisch die Reste und auch noch diverse Häppchen bekommt, dann ist das nicht nur ungesund für ihn, sondern auch zu viel.

Es ist schwierig, für genügend Bewegung zu sorgen

Die meisten Hunde brauchen mindestens so viel Bewegung wie ihre menschlichen Besitzer. Ganz viele Hunde müssen sich sehr viel mehr bewegen, um gesund und schlank zu bleiben. Hunde sind Lauftiere. Menschen eigentlich auch.

Das gilt auch für andere Haustiere. Katzen liegen scheinbar immer faul irgendwo herum. Aber tatsächlich sind Freigängerkatzen sehr aktive Tiere, die auch selten dick werden. Übergewicht bei Katzen betrifft in der Folge fast ausschließlich Wohnungskatzen.

Vor allem in den Städten ist es oft schwierig, Tiere wirklich artgerecht zu halten. Hunde brauchen Auslauf, der in der Stadt gar nicht so einfach zu finden ist. Katzen brauchen Freigang, den man ihnen in der Stadt nicht geben kann. Freigängerkatzen werden nicht so leicht dick, das Problem stellt sich vor allem bei gelangweilten Stubentigern.

In kleinen Wohnungen ist es oft gar nicht so einfach, auch nur einem Goldhamster genug Bewegungsmöglichkeiten zu bieten. Artgerechte Haltung bedeutet oft auch, mindestens zwei Tiere einer Art zu halten, sie brauchen Gesellschaft, und damit eben auch Platz zum gemeinsamen Toben.

Für Hunde, aber auch für Pferde gilt, dass der Mensch an der Bewegung beteiligt ist. Das kostet Zeit, die viele nicht in ausreichender Menge übrig haben. Wunsch und Wirklichkeit klaffen hier oft deutlich auseinander.

Das schlechte Gewissen dem Tier gegenüber

Ein Grund für das zu viel an Futter und Leckereien ist der Zeitmangel der Tierhalter. Man kann sich nicht so viel mit seinem Tier beschäftigen wie man sich wünscht, dadurch hat es zu wenig Bewegung und der Tierhalter ein schlechtes Gewissen.

Dies sucht er durch Zuwendung in Form von besonders gutem Futter wettzumachen. Ein Verhalten, das das Tier in doppelter Hinsicht dick macht. Zuwenig Bewegung und zu viel Futter ergeben eine ungünstige Kombination, genau wie beim Menschen.

Hinzu kommt das riesige Angebot an Tierfutter und Leckereien für die Heimtiere. Wenn man der Werbung Glauben schenkt, dann braucht jedes Tier ständig Kraftfutter und nahrhafte Belohnungen. Wenn man alle diese Dinge nicht kauft, kann man schon mal ein schlechtes Gewissen bekommen. Wenn das Tier dann aus Versehen dick geworden ist, dann bieten die gleichen Hersteller das passende Diätfutter an.

Was kann man besser machen?

Heimtiere brauchen Zuwendung, aber nicht in Form von Häppchen, Snacks und großen Futterrationen, sondern in Form von Anregung, Bewegung und der Möglichkeit, sich artgerecht zu betätigen. Bevor man sich ein Tier anschafft, sollte man sich also fragen, ob man ihm überhaupt gerecht werden kann.

Es reicht nicht aus, wenn gerade genügend Platz da ist, um einen Käfig hinzustellen, und gerade genug Zeit, um das Tier zu füttern und ihm Leckerlis zu geben. Man muss sich mit seinem Tier beschäftigen, wenn man es schon in einem eher ungünstigen Lebensraum wie der eigenen Wohnung hält.

Aber auch wenn die äußeren Bedingungen eigentlich stimmen, kommt Übergewicht bei Hund und Mensch vor. Und auch bei allen möglich anderen Tieren und ihren Menschen. Wenn es dann passiert ist, dann hilft nur Abnehmen.

Übergewicht bei Hunden wieder loswerden

Es gibt viele Empfehlungen, wie man das Übergewicht seines Hundes reduzieren kann. Weniger Futter, Diätfutter, Leckerlis auf die tägliche Ration anrechnen, Futterbälle verwenden und daneben natürlich, mehr Bewegung. Auch, wenn die dem dicken Tier schwerfällt.

 

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Für andere Tiere gilt im Grunde dasselbe. Weniger Futter, mehr Bewegung, und dann wird das Tier wieder schlank werden.

Bei dieser Vorgehensweise gibt es eine gewisse Erfolgsrate. Genauso, wie es bei der Gewichtsreduktion der Menschen eine gewisse Erfolgsrate gibt. Sicher ist gar nichts. Es kann klappen, aber auch nicht.

Da viele Hundehalter und Halter anderer Tiere auch übergewichtig sind, ergibt sich die Chance, gemeinsam abzuspecken. Das funktioniert besonders bei Hunden und Hundehaltern gut.

Gemeinsam Abnehmen: Übergewicht loswerden für Hunde und ihre Menschen

Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass das Abnehmen öfter erfolgreich ist, wenn Mensch und Hund gemeinsam abspecken, als wenn nur der Hund, oder nur der Mensch abnehmen. Gemeinsam geht es besser, die Chance sollte man nutzen!

Eine wesentliche Maßnahme, um Übergewicht bei Hunden zu bekämpfen, besteht in mehr Bewegung. Wenn der Hund sich bewegen soll, muss der Mensch mit, muss sich also auch bewegen. Das wirkt für beide in Richtung Gewichtsabnahme.

Sich gemeinsam bewegen, auch gemeinsam Sport zu treiben, schafft gute Laune, bei Mensch und Tier. Wer gute Laune hat, kann viel leichter auf Naschereien und ungesundes Essen verzichten.

Wenn man seinen Hund statt mit Leckerlis mit gemeinsamen Spielen oder auch mit Zuwendung belohnt, dann ist er genauso zufrieden. Es ist für das Tier viel besser, sich mit ihm zu beschäftigen, als es mit unnötigen Kalorien vollzustopfen.

Diese Beschäftigung mit dem Tier erleichtert es dann auch dem Tierhalter, sein Gewicht zu halten, beziehungsweise auch, Übergewicht wieder loszuwerden. Am einfachsten geht das alles noch mit einem Hund. Auch wenn der mehr Platz braucht als ein Kaninchen oder Meerschweinchen, ist es einfacher, ihm und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden und sich dabei selbst auch noch etwas Gutes zu tun.

Abnehmen für Tier und Mensch ist möglich. Wenn man dann selbst wieder ein niedrigeres Gewicht und vor allem eine sportlichere Figur hat, dann erkennt man auch wieder, dass schlankere Formen besser sind. Man bekommt ein Gespür für ausreichende Bewegung, man ist selbst fitter, sodass man eher Zeit und Energie findet, sich mit seinem Tier zu beschäftigen.

Dadurch, dass man selbst seine eigene Ernährung kritisch betrachtet, fällt es leichter, auch das Tier angemessen zu ernähren. Es bedingt sich immer gegenseitig.

Abnehmen mit dem Hund ist optimal. Wenn man selbst abnehmen möchte, dann ist ein Hund das ideale Haustier. Er braucht viel Bewegung, und vor allem geht er nicht alleine, der Mensch muss immer mit.

Falls der Hund auch zu dick ist, kann man sich ideal ergänzen. Einfaches Gassi gehen ist in vielen Fällen schon die Lösung. Man muss sich nur die Zeit nehmen, lange genug zu gehen, man muss die Energie aufbringen, auch mal schneller zu gehen oder zu rennen, mal Stöckchen zu werfen oder sonstige Aktivitäten einzubauen.

Vor allem aber muss man sich aufraffen, wirklich jeden Tag zu gehen, bei jedem Wetter. Sinnvoll ist, sich nach und nach zu steigern, wenn die Fitness von Hund und Mensch ansteigt. Das erfordert durchaus Zeit, aber dass Hundehaltung Zeit kostet, wusste man ja schon bei der Anschaffung. Und abnehmen kostet auch Zeit, hier hat man die Gelegenheit, beides miteinander zu verbinden, und kostenlos ist es noch dazu.

Wenn der Hund mal gelernt hat, dass es jeden Tag so einen schönen, ausgedehnten Spaziergang gibt, dann wird er den von sich aus einfordern, sodass man rausgehen muss, ob man will oder nicht. Auch Motivationsprobleme kann der Hund also lösen helfen. Den ersten Schritt muss allerdings der Mensch machen.

Wenn der Hund sehr viel fitter ist als sein Mensch, was gar nicht so selten vorkommt, dann kann es eine gute Idee sein, nicht einfach zu Fuß zu gehen, sondern Rad zu fahren. Fahrrad fahren mit dem Hund muss zunächst gelernt werden, es eignet sich auch nicht für jeden Hund, aber wenn es passt, dann ist es eine gute Lösung für den bewegungshungrigen Hund und seinen (noch) etwas trägeren Halter.

Fahrrad fahren mit Hund hält Mensch und Tier schlank und fit

Fahrrad fahren mit Hund hält Mensch und Tier schlank und fit
Foto: Peeradontax/Shutterstock

Wenn man sich mal ausreichend bewegt, dann wird man schnell feststellen, dass auch eine Umstellung der Ernährung gar nicht so schwer ist, wie man immer gedacht hat. Und dass kaum noch Zeit bleibt, um das Tier mit Häppchen oder zu großen Futterrationen zu „verwöhnen“. Ein Hund, der ausreichend Bewegung hat, verbringt danach eine ganze Menge Zeit einfach schlafend, er bettelt dadurch auch weniger.

3 Kommentare

  1. Das ist die falsch verstandene Tierliebe, wenn man den Tieren ein Leckerli hier und ein Leckerli da gibt. Die Auswirkungen der Fettleibigkeit bei Tieren sind ja ähnlich wie beim Menschen. Da man die Verantwortung für ein Tier übernommen hat, ist man auch für dessen Gesundheit verantwortlich. Leider realisiert das nicht jeder so.

  2. Hallo

    Übergewicht bei Hunden ist ein schwieriges Thema und ist oftmals der Unwissenheit der Herrchen geschuldet. Viele Hundebesitzer verwenden den Hund als Resteverwerter und geben ihm die Reste der Mahlzeiten die eigentlich für uns Menschen bestimmt sind. Ideale Hundenahrung vergleicht man eher mit der des Wolfes ohne Zusatzstoffe und Geschmackverstärker (was auch für uns Zweibeiner nicht gesund sein kann). Zudem wird oftmals viel zu viel gefüttert. Wir versuchen gerade eine Seite aufzubauen bei der es ausschließlich um Hundefutter geht.

    Wie haltet ihr das Ganze nach welchen Richtwerten füttert ihr?

  3. Ein sehr interessanter Artikel, da wir selbst 2 Katzen haben, eine davon wird von anderen immer als „fett“ beschrieben, dabei ist das Fell sehr flauschig und die Katze selbst kommt durch das kleinste Loch, also nicht so dick wie sie aussieht 🙂
    Seit einem Monat haben wir einen Garten und man sieht nun, dass ihnen (vorher „Stubenkatzen“) die Bewegung sehr gut tut.

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